Zu­rück an den Ur­sprung – mit glo­ba­lem Blick

 |  Neuberufene

Knapp 15 Jahre lang hat Prof. Dr. Tobias Bornemann in Wien gelehrt und geforscht. In seiner Arbeit hat er untersucht, wie steuerliche Regeln das Verhalten globaler Unternehmen verändern. Nun kehrt er an den Ort zurück, an dem sein eigener akademischer Weg begann: Seit dem Sommersemester ist der Neuberufene Professor für Internationale Unternehmensbesteuerung an der Universität Paderborn.

„Es fühlt sich ein wenig an, als käme man nach Hause – allerdings mit einem anderen Blick“, schildert Bornemann. Bachelor, Master und erste fachliche Prägungen verbinden ihn mit der Universität Paderborn. Heute kehrt er als Wissenschaftler zurück; mit internationaler Erfahrung, neuen Perspektiven und einem geschärften Blick auf globale Wirtschaftsfragen.

Zuletzt war Bornemann viele Jahre an der Wirtschaftsuniversität Wien tätig. Die Entscheidung für Paderborn sei dennoch schnell gefallen. Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften habe sich in den vergangenen Jahren beeindruckend weiterentwickelt: mit international anschlussfähiger Forschung, starken Profilen in Nachhaltigkeit und Digitalisierung sowie dem DFG-Sonderforschungsbereich TRR 266 „Accounting for Transparency“. 

Wenn Steuern Verhalten verändern

Bornemanns Forschungsgebiet klingt zunächst technisch, berührt aber zentrale gesellschaftliche Fragen. Wie beeinflussen steuerliche Regeln unternehmerische Entscheidungen? Was passiert, wenn Konzerne offenlegen müssen, in welchen Ländern sie Gewinne erzielen und wie viele Steuern sie dort zahlen? Und wer trägt am Ende die Kosten neuer Regeln?

„Mich interessiert, wie Steuern Verhalten verändern – und was passiert, wenn diese Entscheidungen für die Öffentlichkeit sichtbar werden“, erklärt er.

Im Mittelpunkt seiner Forschung stehen zwei Themenfelder: zum einen Strategien multinationaler Unternehmen zur Reduktion ihrer Steuerlast und die Wirksamkeit politischer Gegenmaßnahmen wie der globalen Mindeststeuer. Zum anderen untersucht er, ob Transparenzvorgaben tatsächlich zu verändertem Verhalten führen oder vor allem zusätzliche Berichtspflichten erzeugen.

Was sich in seinen Arbeiten immer wieder zeigt, ist ein wiederkehrendes Muster: Regulatorische Eingriffe wirken häufig so, wie es politisch beabsichtigt war, können jedoch auch ihr erklärtes Ziel verfehlen und gleichzeitig an unerwarteter Stelle Wirkung entfalten. „Der Durchschnittseffekt erzählt selten die ganze Geschichte“, sagt Bornemann. „Die spannenden Befunde stecken meistens in den Nebenwirkungen – und in der Frage, wer am Ende die Kosten trägt.“

Die Ziele steuerlicher und transparenzbezogener Regulierung – Klimaneutralität, nachhaltige Steuereinnahmen, mehr Transparenz – hält er für richtig und notwendig. Zugleich werde die Kostenseite bislang oft zu wenig untersucht. Genau hier sieht er einen natürlichen Anknüpfungspunkt zur Universität Paderborn: Der hier entwickelte Tax Complexity Index dokumentiert seit Jahren eine wachsende steuerliche Komplexität für Unternehmen – was diese Komplexität konkret kostet, ist dagegen kaum erforscht. „Mein Punkt ist nicht, dass wir weniger regulieren sollten“, verdeutlicht Bornemann. „Wir müssen besser verstehen, was Regulierung kostet. Nur dann lässt sich sinnvolle Regulierung von schlecht kalibrierter unterscheiden.“

Forschung mit öffentlicher Verantwortung

Ein prägender Moment seiner bisherigen Laufbahn war, als Forschungsergebnisse seines Teams zur Wirkung von Steuern auf Managementgehälter ihren Weg aus Fachzeitschriften in die Tagespresse fanden. Plötzlich wurden seine akademischen Befunde Teil öffentlicher Debatten.

„Das hat mir bewusst gemacht, dass Forschung nicht als Selbstzweck betrieben werden sollte. Gerade in Zeiten von Mis- und Desinformation hat Wissenschaft die Verantwortung, zugänglich und verständlich zu sein“, betont der Neuberufene.

Diesen Anspruch verfolgt er auch methodisch. Bornemann arbeitet überwiegend empirisch-quantitativ mit großen internationalen Datensätzen. Mithilfe ökonometrischer Verfahren untersucht er die realen Folgen von Steuerreformen, Transparenzpflichten und regulatorischen Eingriffen. Ergänzt werden diese Analysen durch qualitative Einblicke, etwa durch Interviews mit Entscheidungsträger*innen börsennotierter Unternehmen.

Lehre als Brücke zwischen Theorie und Praxis

Im Hörsaal versteht sich Bornemann als Brückenbauer: zwischen Studierenden und aktueller Forschung, zwischen Fachbereichen sowie zwischen Universität und Praxis. Internationale Besteuerung sei dafür ein ideales Feld, weil wirtschaftliche, rechtliche und gesellschaftliche Fragen hier unmittelbar zusammenlaufen.

Statt auf auswendig gelernte Standardlösungen setzt er auf Urteilsvermögen unter Unsicherheit. In Fallstudien übernehmen Studierende die Rolle realer Entscheidungsträger*innen, wägen Interessen ab, arbeiten mit unvollständigen Informationen und verteidigen ihre Empfehlungen argumentativ.

Von seinen Studierenden erwartet er Neugier, Eigenständigkeit und die Bereitschaft, komplexe Probleme argumentativ zu durchdringen. Im Gegenzug dürfen sie eine Lernumgebung erwarten, in der Fehler zum Lernprozess gehören und in der neben Fachwissen auch Urteilsvermögen und Kommunikationsfähigkeit wachsen können.

Mit seinem Lehrstuhl ergänzt er das bestehende Angebot der Fakultät um einen internationalen und strategischen Fokus. Im englischsprachigen Modul Taxes and Business Strategy diskutieren Studierende beispielsweise, wie internationale Unternehmen auf Zuckersteuern, öffentliche Kritik an Steuerstrategien oder neue globale Regeln reagieren.

Perspektivisch möchte er zudem Themen wie Verrechnungspreise, empirische Steuerforschung sowie Tax Tech und Künstliche Intelligenz stärker verankern.

Rückkehr mit Weitblick

Nach Jahren in Wien freut sich Bornemann aber nicht nur auf neue Forschungsprojekte und Lehrveranstaltungen, sondern auch auf Vertrautes: wie zum Beispiel regelmäßigere Besuche beim SC Paderborn 07.

Mit Prof. Dr. Tobias Bornemann kehrt ein Wissenschaftler nach Paderborn zurück, der internationale Perspektiven mit regionaler Verbundenheit verbindet – und der zeigen will, wie Forschung zu globalen Fragen vor Ort Wirkung entfalten kann.

Foto (Universität Paderborn, Hilal Erboğa): In seiner Forschung beschäftigt sich Prof. Dr. Tobias Bornemann damit, wie Unternehmen auf steuerliche Regulierung reagieren, welche Wirkung Transparenzpflichten entfalten und wer die ökonomischen Kosten neuer Regeln tatsächlich trägt.

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