Seit dem Wintersemester 2025/2026 verstärkt Prof. Dr. Franz Strich als neuberufener Professor die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften. Als Inhaber des Lehrstuhls für Digital Responsibility am Department Wirtschaftsinformatik widmet er sich einem Themenfeld, das angesichts rasanter technologischer Entwicklungen zunehmend an Bedeutung gewinnt: der verantwortungsvollen Gestaltung digitaler Technologien in Wirtschaft und Gesellschaft. Im Zentrum seiner Arbeit stehen dabei stets Menschen – als Handelnde, als Betroffene und als gestaltende Kraft digitaler Transformation.
Ein international geprägter Werdegang
Der akademische Weg von Franz Strich ist von verschiedenen Stationen und Perspektivwechseln geprägt. Nach dem Studium zog es den gebürtigen Berliner für seine Promotion nach Passau und später nach Bayreuth, wo er als Postdoktorand tätig war. Eine bedeutende internationale Station folgte 2022 mit dem Wechsel nach Australien: An der Deakin Business School in Melbourne arbeitete er mehrere Jahre in Forschung und Lehre. „Ich war noch nie zuvor in Australien gewesen – plötzlich hieß es, alles hinter sich lassen und neu anfangen. Das war herausfordernd, aber fachlich und persönlich unglaublich bereichernd“, erinnert sich Strich.
Trotz der positiven Erfahrungen im Ausland entschied er sich bewusst für eine Rückkehr nach Deutschland. Mit der Berufung nach Paderborn fand er schließlich einen Standort, an dem sich seine inhaltlichen Interessen institutionell bündeln lassen. „Hier kann ich genau das tun, was mich seit Jahren antreibt – und das mit einem Lehrstuhl, der all diese Themen zusammenführt“, so Strich.
Vom psychologischen Blick zur Wirtschaftsinformatik
Ursprünglich studierte Franz Strich Psychologie. Was zunächst aus einer Orientierungsphase heraus entstand, erwies sich im Rückblick als zentrale Grundlage seiner wissenschaftlichen Laufbahn: „Das Studium hat mir ein tiefes Verständnis für menschliches Verhalten, Entscheidungsprozesse und soziale Dynamiken vermittelt – Kompetenzen, die meine heutige Forschung maßgeblich prägen.“
Der Übergang in die Wirtschaftswissenschaften und jetzt in die Wirtschaftsinformatik bedeutet dabei keinen Bruch, sondern eine konsequente Erweiterung. Sein interdisziplinärer Hintergrund ermöglicht es ihm, psychologische Theorien mit wirtschaftswissenschaftlichen und informationstechnischen Fragestellungen zu verbinden.
Forschung an der Schnittstelle von Mensch, Organisation und Technologie
„Technologien verändern nicht nur Prozesse, sondern auch Selbstbilder, Rollen und Identitäten – oft subtil, aber mit großer Wirkung“. Ein besonderer Schwerpunkt in Strichs Forschung liegt daher auf der Frage, wie Menschen auf neue Technologien reagieren – ob sie diese annehmen, ablehnen oder aktiv mitgestalten – und welche Folgen dies für Teams, Organisationen und auch die Gesellschaft hat.
Dabei interessiert ihn insbesondere der Wandel von Identitäten und Rollen in technologisch geprägten Arbeitskontexten. Neue Informationssysteme können Mitarbeitende zu Vorreitenden machen, sie aber auch in Konflikte oder unerwünschte Rollen drängen. Strich analysiert, wie solche Dynamiken entstehen und wie Organisationen durch Gestaltung von Technologie, Prozessen und Zusammenarbeit darauf reagieren können. Ziel ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen technologische Innovation nicht zu Überforderung oder Ausgrenzung führt, sondern nachhaltige Wertschöpfung ermöglicht.
Auch aktuelle Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz ordnet er in diesen Kontext ein. Besonders leistungsfähig seien hybride Modelle, in denen Mensch und KI zusammenwirken. Voraussetzung dafür sei jedoch eine verantwortungsvolle Implementierung, die kulturelle, soziale und ethische Aspekte berücksichtigt. Andernfalls drohten Akzeptanzprobleme mit gravierenden wirtschaftlichen Folgen sowie eine hohe psychische Belastung im Arbeitsalltag und darüber hinaus.
Digitale Verantwortung versteht Strich dabei bewusst umfassend. Neben ökologischen Fragestellungen rücken für ihn soziale und gesellschaftliche Dimensionen in den Fokus: der faire Zugang zu digitalen Technologien, der Aufbau von Datenkompetenzen sowie die Gestaltung digitaler Arbeit unter menschenfördernden Bedingungen.
Lehre als Ort des Dialogs und der Reflexion
In der Lehre verfolgt Prof. Dr. Strich einen dialogorientierten Ansatz. „Universität ist für mich vor allem ein Ort des Austauschs – hier sollen Studierende lernen, zu reflektieren, zu begründen und Position zu beziehen“, erklärt er. Seine Lehrveranstaltungen verbinden ethische Grundlagen mit konkreten Anwendungsbeispielen aus Wirtschaft und Gesellschaft.
Kooperationen mit Unternehmen, Fallstudien und Gastvorträge sollen den Praxisbezug stärken und Studierende auf spätere Entscheidungssituationen vorbereiten. Ziel ist es, Studierende dafür zu sensibilisieren, technologische Möglichkeiten nicht nur effizient, sondern auch verantwortungsvoll zu nutzen.
Perspektiven für Forschung und Gesellschaft
Mit Blick auf die Zukunft überwiegt bei Franz Strich der Optimismus. „Wenn wir Technologie richtig einsetzen, kann sie Freiräume schaffen – für sinnvolle Arbeit, bessere Entscheidungen und mehr gesellschaftlichen Mehrwert“, ist er überzeugt. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass technologische Entwicklungen nicht passiv hingenommen, sondern aktiv gestaltet werden.
An der Universität Paderborn möchte Strich diesen Gestaltungsanspruch weiter vorantreiben – in Forschung, Lehre und im interdisziplinären Austausch. Sein Ziel ist es, Studierende sowie Akteure aus Wirtschaft und Gesellschaft dazu zu befähigen, digitale Transformation reflektiert, kompetent und verantwortungsvoll mitzugestalten. Denn die digitale Zukunft, davon ist er überzeugt, wird nicht allein durch Technologien bestimmt, sondern durch die Menschen, die sie entwickeln und einsetzen.