Ak­tuelle Na­chricht­en aus der Wirtschaft­späd­ago­gik

Traum­job in Deutsch­land

Paderborn, 22.07.2016: Einmalig in Deutschland und ermutigende Signale für die heimische Wirtschaft: Gemeinsam mit dem Deutschen Akademischen Auslandsdienst ermittelte Stefan Schwan vom International Office der Universität Paderborn vor drei Jahren,  dass 93 (!) Prozent der ausländischen Studierenden es sich vorstellen könnten, in der Region zu bleiben, wenn Ihnen nach erfolgreichem Studienabschluss ein Arbeitsplatz angeboten werden würde. Der ehemalige Paderborner Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Karl-Heinz Gerholz (Universität Bamberg) rief daraufhin das Projekt „InRegio“ ins Leben, das ausländische Studierende mit dem Arbeitsleben und der Kultur des Gastlandes vertraut macht, diese regelrecht „hereinholt“. Das  erfolgreich angelaufene Projekt wird nun von der  frisch zur Professorin berufenen Dr. Nicole Kimmelmann weiter entwickelt und betreut.

„Deutschland ist interkulturell!“  Zu diesem einhelligen Fazit kamen die ca. 30 Studierenden bei der InRegio-Abschlussveranstaltung am 21.7.2016. Anhand von drei Projekten, die von der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold, der örtlichen IHK und der Hövelhofer ELHA-Maschinenbau Liemke KG mitgetragen wurden, entwickelten die von erfahrenen Wirtschaftsmanagern gecoachten und von kompetenten Wirtschaftspädagogen betreuten Studierenden Lösungsansätze, die direkt von den nachfragenden Unternehmen und Institutionen umgesetzt werden können.  So entwickelte der aus Ägypten stammende Maschinenbaustudent Samuel Ghobrial im Team mit anderen Studierenden für den Maschinenbauer ELHA ein Markteintrittskonzept für den chinesischen Markt. Dabei ging es vor allem um Aufdeckung und Klärung von rechtlichen Fragen und kulturellen Hemmschwellen.

Die Lettin Irina Kornejenkova samt Team bekam vom Personalleiter der Paderborner Volksbank Stefan Müller die Aufgabe gestellt, die Bedingungen und Voraussetzungen für die Rekrutierung gut ausgebildeter ausländischer Fachkräfte zu untersuchen. Das Team bestand neben ihr aus einem Bulgaren, einer Aserbeidschanerin und einer Russin. Dabei ermittelten sie zwar keine repräsentativen, dennoch erhellende Zahlen: 41 Prozent der ausländischen Studierenden brechen ab, aber immerhin 30 Prozent bemühen sich ein ganzes Jahr lang um einen Job in Ostwestfalen-Lippe. Volksbank-Personalleiter Stefan Müller lobte die hohe Motivation der Studierenden und sieht das Engagement seines Kreditinstituts in  dem gesellschaftlichen Auftrag begründet, dem sich die Volksbanken verschrieben hätten: „Sich mit dem hier offengelegten hohen Ausbildungsstand der ausländischen Studierenden zu beschäftigen und so dem Personalwesen neue Impulse zu geben, das passt perfekt zu unserem Geschäftsmodell.“

Marym Amirsalehi, Maschinenbaustudentin aus dem Iran, berichtete gemeinsam mit ihrer chinesischen Kollegin  in einer sehr lebendig vorgetragenen Präsentation über das Zustandekommen eines „Kulturleitfadens“, der die kulturellen Eigenheiten von Deutschen und Chinesen aufzeigt und  daraus ableitend Verhaltensregeln für den richtigen Umgang im Geschäftsverkehr gibt.  Das geht schon los bei der Begrüßung: Chinesen wollen liebend gerne über die Familiensituation sprechen, Deutsche wollen am liebsten gleich zur Sache, dem Geschäft, kommen.  Der Chinese erwartet, dass zunächst der Ranghöhere begrüßt wird, der Deutsche deutet eventuell zuerst auf eine anwesende Frau. Die durchaus auch launig vorgetragene Präsentation enthüllte ebenfalls, dass es der Chinese gar nicht  schätzt, wenn er im Smalltalk auf das Thema „Hunde auf dem chinesischen Speisezettel“ angesprochen wird. Der Deutsche dagegen beginnt zu mauern, wenn der chinesische Gastgeber beim gemeinsamen Lunch zu übermäßigem Schnapsgenuss aufruft. Auftraggeber des Leitfadens, der neben den kulturellen Aspekten auch den  Markteintritt  deutscher Unternehmen in China zum Thema hat,  war Jürgen Behlke, Geschäftsführer der IHK-Zweigstellen Paderborn und Höxter.

In ihren abschließenden Worten verwies Professorin Nicole Kimmelmann noch einmal auf die Bedeutung, die das Projekt InRegio für die Region habe: „Wir machen immer wieder aufs Neue die Erfahrung, wie sehr sich die ausländischen Studierenden auf unsere Region fokussieren, wenn wir ihnen eine Perspektive aufzeigen können. InRegio leistet das in idealer Weise,  indem wir diese Studierenden mit der Region, ihren Unternehmen, kulturellen Institutionen und den Menschen generell vernetzen. Unsere Ergebnisse sind so ermutigend, dass wir mittelfristig planen, dieses Projekt dauerhaft ins Lehrangebot der Universität Paderborn zu integrieren.“

Bild: Ausländische Studierende arbeiten für die heimische Wirtschaft. Ihre Auftraggeber und Betreuer sind: Volksbank-Personalleiter Stefan Müller, 7.v.l., International Office-Leiter Stefan Schwan, 11.v.l., Professorin Dr. Nicole Kimmelmann, 12.v.l., Jürgen Behlke, Geschäftsführer der IHK-Zweigstellen Paderborn und Höxter, 13.v.l.