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DIE DURCHSTARTERIN

Teil der Reihe "Junge Forscher*innen im Porträt – Wege in die Wirtschaftswissenschaften"

Die Welt ein Stück weit besser machen, das ist die Vision, für die Michelle Müller lebt. Am Department für Wirtschaftsinformatik forscht sie zum Onlineverhalten von Menschen auf Digitalen Marktplätzen und dessen Auswirkungen. Für den Austausch mit Kolleg*innen aus der Forschung bereist sie die halbe Welt – und kommt doch trotzdem immer wieder gerne nach Hause.

Nach einem roten Faden in Michelle Müllers Lebensweg muss man nicht lange suchen. „Ich bin waschechte Paderbornerin“, lacht die junge Nachwuchswissenschaftlerin und die Liebe zur ostwestfälischen Heimat merkt man ihr sofort an. Geboren und aufgewachsen in Paderborn lebt und arbeitet sie noch heute gerne hier. Auch Studienangebote aus Dortmund, Köln und Bielefeld können sie nicht locken.

„Ich bin ein sehr familiärer Mensch. Ich habe mein ganzes Umfeld hier und mag die kurzen Wege“, sagt Müller, betont aber gleichzeitig, dass natürlich auch die Ausrichtung des Studiengangs an der Universität eine eklatante Rolle bei ihrer Entscheidung spielte. Die 26-Jährige, die an der Professur für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Digitale Märkte, als wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeitet und promoviert, hebt besonders den interdisziplinären Aufbau des Departments Wirtschaftsinformatik hervor. Die verschiedenen Professuren seien untereinander nicht nur inhaltlich, sondern auch personell gut miteinander vernetzt. „In unserem Fachbereich herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre. Spätestens ab dem Master kennen die Professor*innen fast jeden Studierenden persönlich, die Identifikation mit dem Studienfach wird von Anfang an gefördert und ist daher unter Lehrenden wie Kommiliton*innen sehr ausgeprägt."

Die gute Verbindung untereinander ermöglicht es Müller auch, zum Übergang in den Master als studentische Hilfskraft von der Professur für Operations Research an die Professur für Digitale Märkte zu wechseln. Ihr Mut wird mit einem Höhepunkt ihrer bisherigen akademischen Laufbahn belohnt: Sie erhält den Preis für herausragende Abschlussarbeiten. „Natürlich bin ich stolz, diese Auszeichnung ist eine schöne Art der Anerkennung“, freut sich Müller. Mit dem Preis gerechnet habe sie trotzdem nicht. „Ich hatte den Ansporn, eine sehr gute Masterarbeit zu schreiben, weil daraus ein Forschungspapier entstehen sollte. Trotzdem gab es immer mal Zweifel und einige Herausforderungen, mit denen ich umgehen musste.“ Aber der Erfolg und die Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein, geben Müller Recht.

Die Faszination für die Forschung ist da schon längst geweckt. Ermutigt durch den Zuspruch der Mitarbeitenden des Lehrstuhls für Digitale Märkte fährt sie zusammen mit anderen Doktorand*innen und studentischen Hilfskräften auf ihre erste Konferenz nach Lüneburg, wo sie erste Kontakte zur Forschungscommunity knüpft. „Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich durch meine Promotion sowohl meine Leidenschaft für die Forschung als auch meinen Spaß an der Lehre ausleben kann, den ich während meiner Tätigkeit als studentische Hilfskraft entdeckt habe", freut sich Müller.

Ihre bis dato letzte Forschungsreise führt sie im Dezember 2021 zu einer Konferenz nach Austin,Texas. „Das war meine erste internationale Konferenz und ich bin dankbar, dass wir trotz der pandemischen Lage so eine tolle Möglichkeit des kollegialen Austauschs nutzen konnten“, schwärmt die Doktorandin. Ebenfalls stolz mache sie, dass ihr aktuelles Forschungspapier auch die internationalen Kolleg*innen überzeugen konnte und als Runner-Up mit dem Best Short Paper Award ausgezeichnet wurde.

Doch wozu forscht Müller eigentlich genau? Ein Blick auf ihre Publikationsliste ist beeindruckend – Dear Guests, please pay for my license – Analyzing the heterogenous cost-pass-through of commercial and non-commercial rental suppliers in response to regulatory policies oder Moment or Movement – An Empirical Analysis of the Heterogeneous Impact of Media Attention on Charitable Crowdfunding Campaigns sind nur zwei der zahlreichen Forschungsbeiträge.

Was auf den ersten Blick hochkompliziert klingt, fasst die Doktorandin mit links zusammen. „Kurz gesagt untersuche ich das Onlineverhalten von Menschen auf Digitalen Marktplätzen und deren Auswirkungen.“ Neben den umfangreichen Datensätzen, die sie dafür akribisch sichtet, reize sie daran auch die psychologische Komponente. Wie ticken Menschen, wenn sie sich online bewegen? Welche Auswirkungen haben Lieferdienste auf die regionale Gastronomie, wie verändern Airbnb-Angebote den Wohnungsmarkt, welchen Einfluss hat eine umfangreiche mediale Berichterstattung über soziale Ungerechtigkeiten auf z.B. themenrelevante Crowdfunding-Kampagnen. Diese und viele weitere Fragen untersucht Müller täglich und fügt schmunzelnd hinzu: „Man könnte meinen Schwerpunkt auch unter dem Schlagwort ‚Menschen, Bilder, Emotionen‘ zusammenfassen.“

Müllers Erläuterungen klingen nicht nur plausibel. Die Leidenschaft für ihren Fachbereich ist in jedem Wort spürbar. „Wenn man seine Forschung niemandem erklären kann, ist sie nicht relevant“, findet Müller und fügt hinzu, dass sie selber immer wieder begeistert sei. „Ich bin in der glücklichen Position zu sagen, dass ich mich jeden Tag gerne mit meinem Thema beschäftige“. Die Welt mit ihrer Forschung ein Stück weit besser machen, das sei ihr erklärtes Ziel.

Trotz aller Euphorie und Leidenschaft für ihre Arbeit: Eine strikte Trennung von Arbeit und Freizeit hat für die junge Wissenschaftlerin einen hohen Stellenwert. „Ich brauche einfach einen Ausgleich zum oft herausfordernden Universitätsbetrieb.“ Schließlich, so sagt sie, sei zu viel Druck nie förderlich für die eigene Arbeit. Richtig abschalten kann Müller auf den regelmäßigen Laufrunden mit ihrem Vater und im heimischen Fußballverein, dem SC Borchen, dem sie bis heute sportlich verbunden ist. „Auch wenn ich nicht mehr ganz so oft mitkicken kann wie früher“, fügt Müller ein wenig bedauernd hinzu.

Müllers geradliniger Karriereweg beeindruckt. Selbstverständlich ist er auch heute noch immer nicht. „Ich komme aus einer klassischen Arbeiterfamilie. Meine Eltern haben beide kein Abitur. Sie haben mich immer in allem unterstützt und ermutigt, aber anders als meine Kommiliton*innen aus Akademikerfamilien konnte ich nie auf persönliche Erfahrungsberichte zurückgreifen.“ Trotzdem legen ihre Eltern den Grundstein für das logisch-technische Interesse der Tochter sowie für deren Freude am Schreiben, weshalb Müller in der Schule den Deutsch- und Informatik-LK wählt. Nach einem Studieninformationstag fällt letztlich die Entscheidung, in die Wirtschaftsinformatik zu gehen. Auch der Austausch mit ihrer Schwester, die ebenfalls in der Wirtschaftsinformatik in Paderborn promoviert, ist ein wichtiger Bestandteil ihres Alltags.

Wie erleben zwei junge Frauen eine noch immer männerdominierte Studien- und Arbeitswelt? Müller wischt die Bedenken weg. Tatsächlich, so sagt sie, habe sie nie ein Problem darin gesehen als Frau in ihrem Bereich in der Minderheit zu sein. „Nur weil ich eine von wenigen bin, gebe ich ja nicht das, was mir Spaß macht, auf“, erläutert Müller selbstbewusst und ergänzt, dass das anfänglich deutliche Übergewicht männlicher Studienanfänger sich mehr und mehr verschiebe. Auch an der Professur selbst arbeiteten nun mittlerweile mehr Frauen als Männer, Tendenz steigend. Ein schöner Trend, wie Müller findet.

Wie ihre Pläne für die Zukunft aussehen? „Bis zum Abschluss meiner Promotion sind es noch knapp drei Jahre.“ Die nächsten Einreichungen zu Konferenzen und wissenschaftlichen Fachzeitschriften sind bereits geplant. Überlegungen, was nach ihrer Promotion kommen könnte, stelle sie jedoch noch nicht an. Aber egal für welchen Weg sich Michelle Müller entscheiden wird: Paderborn wird sicher eine Rolle spielen.

Text: Christina Görkes

  • Als zentrale Dachorganisation für Promovierende, Postdocs und Juniorprofessor*innen der Universität Paderborn stellt das Jenny Aloni Center zielgruppenspezifische Informationen, Qualifizierungs- und Beratungsangebote bereit.

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  • „Wer sich fürs Forschen und ein Thema begeistern kann, dem eröffnet eine Promotion eine tolle Zeit mit Gleichgesinnten.“

    In unserer Porträtreihe verraten Promovenden, Post-Docs und Juniorprofessor*innen, was sie zur Wissenschaft geführt hat, welche Hürden sie auf dem Weg zu ihren Qualifikationszielen überwinden müssen und was sie besonders an den Wirtschaftswissenschaften begeistert.


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