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Foto: Adelheid Rutenburges

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Forschungsschwerpunkte

Die Professur für Finance forscht zur Behavioral und Social Finance und zu Methoden des quantitativen finanzwirtschaftlichen Risikomanagements. Aktuelle Forschungsprojekte der Juniorprofessur untersuchen die Auswirkungen von Aufmerksamkeit auf das Risikoverhalten von Privatinvestoren, Peer-Effekte bei Investitionsentscheidungen, Abhängigkeitsstrukturen von Risiken im Bereich der Finanzmärkte und Fragestellungen rund um Risikomanagement-Entscheidungen von Unternehmen.

Persönliche Webseite

Aktuelle Projekte

'COVID-19 and Investor Behavior'

Finance Research Letters, 101717

(AUTOREN: REGINA ORTMANN, MATTHIAS PELSTER UND SASCHA TOBIAS WENGEREK)

Das Projekt untersucht die Auswirkungen des Ausbruchs einer Pandemie auf das Handelsverhalten von Privatinvestoren. Wir stellen fest, dass Investoren ihre Handelsaktivitäten im Zuge des Ausbruchs der Pandemie sowohl in der extensiven als auch in der intensiven Margin deutlich erhöhen. Wir beobachten, dass die Zahl der Anleger, die erstmals ein Depot eröffnen, zunimmt, während gleichzeitig etablierte Anleger ihre durchschnittlichen Handelsaktivitäten erhöhen. Eine Verdoppelung der COVID-19-Fälle ist mit einem ca. 14%igen Anstieg der durchschnittlichen wöchentlichen Handelsintensität verbunden. Die Zunahme des Handels ist bei männlichen und älteren Investoren besonders ausgeprägt und betrifft sowohl den Aktien- als auch den Indexhandel. Der Anstieg ist im Zeitraum vom 23. Februar bis 22. März am stärksten; der CFD-Handel und der Handel mit Krypto-Währungen sind weniger betroffen. Nach dem Einbruch des Dow Jones am 12. März um 9,99% reduzieren Investoren den Einsatz von Leverage in allen Anlageklassen deutlich, mit Ausnahme von Kryptowährungen.

Working Paper

'Attention Triggers and Investors' Risk-Taking'
(c) Florian Stolle

Revision requested at the Journal of Financial Economics

(AUTOREN: M. ARNOLD, M. PELSTER UND M.G. SUBRAHMANYAM)

Wir danken der Fritz Thyssen Stiftung für finanzielle Unterstützung (Az. 50.19.0.020WW). 

Das Projekt untersucht die Auswirkungen von individueller Aufmerksamkeit auf die Risikobereitschaft von Anlegern. Wir analysieren einen großen, neuartigen Datensatz von Handelsaufzeichnungen eines europäischen Brokerage-Dienstes, der es seinen Kunden ermöglicht, Differenzkontrakte (Contracts for Differences, CFD) zu handeln und seinen Kunden standardisierte Push-Nachrichten über die jüngste Wertentwicklung von Aktien sendet. Der Vorteil des Datensatzes besteht darin, dass wir die "Push" -Nachrichten als einzelne Aufmerksamkeitsauslöser isolieren können und diese direkt mit der Risikobereitschaft derselben Person verknüpfen können. Ein besonderer Vorteil des CFD-Handels besteht darin, dass die Anleger ihre Positionen hebeln können (d.h., Leverage aufnehmen können). Dadurch erhalten wir ein reines Maß für die Risikobereitschaft der Anleger, das unabhängig von der Kaufentscheidung für eine bestimmte Aktie ist. Leverage ist ein wichtiger Katalysator für spekulatives Handeln, da es den Bereich extremer Renditen vergrößert und es Anlegern ermöglicht, größere Positionen einzugehen, als sie sich mit ihrem eigenen Kapital leisten können. Ebenfalls erlauben CFDs es Anlegern, relativ einfach Leerverkäufe einzugehen. Leerverkäufe bieten Anlegern eine wichtige zusätzliche Flexibilität, um ihr Portfolio an sich ändernde Erwartungen anzupassen. Wir zeigen, dass Anleger im Vergleich zu ihren regulären Trades und im Vergleich zu anderen Anlegern, die keine Push-Nachricht erhalten, aufmerksamkeitsorientierte Trades mit höherem Leverage ausführen.  Aufmerksamkeits-Trader gehen auch häufiger Short-Positionen ein. Working Paper

In einem zweiten Beitrag untersuchen wir auch die Auswirkungen der Aufmerksamkeit auf die Portfoliodiversifikation. Wir zeigen, dass die Auswirkung von Push-Nachrichten auf die Portfolios von Anlegern entscheidend davon abhängt, ob die Anleger zum Zeitpunkt der Push-Nachricht die entsprechende Aktie in ihrem Portfolio halten. Anleger, die beim Empfang der Nachricht die Aktie der Benachrichtigung nicht in ihrem Portfolio halten, halten 24 Stunden nach der Push-Nachricht besser diversifizierte Portfolios, während Anleger, die zum Zeitpunkt der Nachricht die Aktie der Benachrichtigung in ihrem Portfolio halten, ihre Diversifikation verringern. Das Projekt hebt somit zwei gegensätzliche Kanäle für den Einfluss von Aufmerksamkeitsauslösern auf das Eingehen von Risiken hervor. Während (i) Aufmerksamkeitsauslöser die Anleger dazu veranlassen, ein höheres idiosynkratisches Risiko einzugehen, stimulieren (ii) diese Auslöser auch die Diversifizierung des Portfolios.

Unser Projekt ergänzt unter anderem Studien, die die Gründe für die schlechte Kapitalmarktrendite von Privatanlegern untersuchen. Somit haben die Ergebnisse unseres Projekts verschiedene praktische Auswirkungen für das Investmentmanagement. Insbesondere können Anleger und Anlageberater die Auswirkungen der Aufmerksamkeit auf den Handel und die Portfolios von Einzelpersonen nachvollziehen. Mit diesem Wissen können Berater ihren Kunden Anleitungen zur Verbesserung ihrer Handelsergebnisse geben. Zum Beispiel legen unsere Ergebnisse nahe, dass gezielt gesendete Push-Nachrichten den Anlegern dabei helfen können, den allgemeinen Fehler zu überwinden, unterdiversifizierte Portfolios zu halten. Insofern kann die Verwendung von Push-Nachrichten stärkere Auswirkungen auf die Portfolios von Anlegern haben als andere Arten der Finanzbildung.

'Social Interactions and (Financial) Decision-Making'
(c) Florian Stolle

(AUTOREN: D. LOSCHELDER, S. KRULL UND M. PELSTER)

Wir danken der Deutschen Forschungsgemeinschaft für finanzielle Unterstützung (PE 2525/5-1).

Das Projekt untersucht die Auswirkungen sozialer Interaktionen auf die finanzielle Entscheidungsfindung und die Risikobereitschaft von Privatinvestoren. Insbesondere untersuchen wir Präferenzen für Abhängigkeiten zwischen Auszahlungen für eigene Investitionen und Auszahlungen für Investitionen von Peers und die Auswirkungen solcher Abhängigkeiten auf die Risikobereitschaft von Anlegern.

'Managerial personality traits and selective hedging'

(AUTHOREN: A. HOFMANN, N. KLOCKE, M. PELSTER  UND S. WARKULAT)

Wir danken dem Frankfurter Institut für Risikomanagement und Regulierung (FIRM) für finanzielle Unterstützung.

„[...] the most significant risk management failures in recent history have their roots in psychology, and [...] the practice of risk management can be improved by incorporating an explicit psychological dimension.“ (Hersh Shefrin, 2016)

Die Forschung im Bereich des finanzwirtschaftlichen Risikomanagements von Unternehmen wird von Theorien der rationalen Wahl dominiert. So liefern traditionelle Theorien des unternehmerischen Risikomanagements zahlreiche theoretische Argumente für die Auffassung, dass das passive Zusammenbringen eines Risikos mit einem entgegengesetzten Risiko Wert für Aktionäre schafft. Diese Theorien erlauben es jedoch häufig nicht, das Hedging-Verhalten von Unternehmen in der Praxis zu erklären. Stattdessen wird in der empirischen Literatur wiederholt festgehalten, dass zahlreiche Unternehmen keine passive Absicherung wählen, sondern aktiv den Umfang und den Zeitpunkt ihrer Derivatetransaktionen variieren. Im Gegensatz zu theoretischen Vorhersagen einer optimalen Absicherungspolitik von Unternehmen verhalten sich Firmen spekulativ und ändern regelmäßig die Zusammensetzung ihrer Derivateportfolios. Als direkte Folge davon zeigen die Absicherungsquoten unter Berücksichtigung der relevanten Fundamentaldaten eine deutlich höhere Volatilität als erwartet. In der Literatur wird die Anpassung und zeitliche Abstimmung von Hedging-Transaktionen auf der Grundlage von Marktmeinungen als „selektives Hedging“ bezeichnet. Die weit verbreitete Praxis des selektiven Hedgings bleibt bis heute ein Rätsel. Das Projekt analysiert, wie die Persönlichkeitsmerkmale von Risikomanagern ihre Entscheidungsprozesse beeinflussen und das selektive Absicherungsverhalten von Unternehmen beeinflussen. 

'Joint Volatility Risk and the Equity Options Market'

(AUTOREN: S. WARKULAT UND M. PELSTER)

Das Projekt untersucht die Auswirkungen eines gemeinsamen Volatilitätsrisikos auf die Rendite von Aktienoptionen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Optionsbewertungsmodellen erwarten Market Maker auf dem Aktienoptionsmarkt Risikoprämien, um die Risiken und Kosten des Haltens großer und riskanter Netto-Long-Positionen zu kompensieren. Wir dokumentieren, dass Aktienoptionen mit der Tendenz, gemeinsam mit dem Markt eine extreme Volatilität aufzuweisen (EVD), mit einem entsprechenden Risikoaufschlag gehandelt werden. Der Effekt ist wirtschaftlich bedeutsam, da ein Anstieg der EVD um ein Prozent mit einem Anstieg der Renditen für Put-Optionen von 7,1% p.a. und einem Anstieg der Renditen von Call-Optionen von 3,2% p.a. verbunden ist.

'Shareholder activism: international evidence'

(AUTOREN: JOCHEN HARTMANN, MATTHIAS PELSTER UND SÖNKE SIEVERS)

Das Forschungsprojekt untersucht Treiber und Auswirkungen aktivistischer Engagements von Hedgefonds und Nicht-Hedgefonds anhand eines internationalen Datensatzes bestehend aus 2.701 aktivistischen Engagements in 44 Ländern im Zeitraum von 2008 bis 2019. Engagements aktivistischer Investoren haben in den letzten Jahren stark zugenommen und sich sowohl international als auch über verschiedene Investorengruppen hinweg ausgebreitet. Aktuell erfolgen ca. 50% aller Engagements außerhalb Nordamerikas und ein Drittel aller Engagements entfallen auf Nicht-Hedgefonds, so dass eine internationale Betrachtung jenseits der Hedgefonds-Engagements dringend notwendig ist.

Ergebnisse des Projektes zeigen, dass Zielfirmen von Hedgefonds im Durchschnitt kleiner und profitabler sind und über niedrigere Market-to-Book-Ratios und Wachstumsraten als Zielfirmen von Nicht-Hedgefonds verfügen. Hedgefonds und Nicht-Hedgefonds sind bei der Durchsetzung von Forderungen und der Umsetzung von Veränderungen in Europa und Nordamerika am erfolgreichsten. Insgesamt zeigen die Ergebnisse des Projektes zu Engagements in Nordamerika und Europa, dass Nicht-Hedgefonds bei der Auswahl von Zielunternehmen und ihrer Performance aufholen und vergleichbare Ergebnisse wie Hedgefonds erzielen. Im asiatisch-pazifischen Raum beobachten wir niedrigere abnormale Renditen und niedrigere Buy-and-Hold-Renditen. Insgesamt sind im asiatisch-pazifischen Raum und in Nordamerika abnormale Renditen um die Bekanntgabe aktivistischer Engagements von Hedgefonds höher als bei Nicht-Hedgefonds, wohingegen dies in Europa umgekehrt ist.

'Dark Triad Managerial Personality and Financial Reporting Manipulation'

(AUTOREN: MARTIN MUTSCHMANN, TIM HASSO UND MATTHIAS PELSTER)

In gewisser (Un)Regelmäßigkeit werden wir Zeugen von Bilanzskandalen, die Milliarden an Marktkapitalisierung vernichten. Das jüngste Beispiel für einen derartigen Skandal ist Wirecard, frühere Beispiele sind unter anderem Enron oder WorldCom. Grundsätzlich ist Unternehmensbetrug ein Thema, das die ständige Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, der Aufsichtsbehörden und der Wissenschaft auf sich zieht. Meistens beginnt die Aufmerksamkeit jedoch zu spät, nämlich erst dann, wenn die Kosten eines großen Betrugsfalls für Aktionäre und Kreditgeber, Arbeitnehmer und die Gesellschaft bereits in die Millionen gehen. 
An diesen groß angelegten Buchhaltungsskandalen sind oft Topmanager beteiligt, die dafür verantwortlich sind, diese betrügerischen Praktiken zu initiieren, aufrechtzuerhalten und über lange Zeiträume zu verbergen. Man kann argumentieren, dass es für jeden Einzelnen gewisse Veranlagungen braucht, um einen langfristigen Betrug erfolgreich aufrechtzuerhalten. Unethische Entscheidungsfindung, Lügen zum eigenen Vorteil, ein Gefühl der Überlegenheit und ein Mangel an Schuld und Reue sind alles Folgen einer Persönlichkeit der „dunklen Triade“. Laut der Psychologie sind solche Eigenschaften besonders häufig bei Betrügerinnen und Betrügern anzutreffen. 
In diesem Projekt untersuchen wir mit Hilfe von Theorie und Messgrößen aus der Persönlichkeitspsychologie die Auswirkungen von Persönlichkeitsmerkmalen des Managements auf betrügerische Bilanzierungspraktiken. Wir finden eine starke positive Beziehung zwischen dunklen Triaden-Persönlichkeitsmerkmalen von Managern und Buchhaltungsmanipulation. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine höhere Ausprägung des Persönlichkeitsmerkmals der dunklen Triade um eine Einheit die Wahrscheinlichkeit, sich an betrügerischer Buchhaltung zu beteiligen, um den Faktor 2,49 erhöht.
Wir stellen auch fest, dass traditionelle Risikokontrollmechanismen wie interne Revisionsabteilungen, die mit internem Personal besetzt sind, und Whistleblower-Regelungen diese Praktiken nicht wirklich abschwächen können. Eine unabhängige und ausgelagerte interne Revisionsfunktion trägt jedoch dazu bei, Bilanzbetrug erfolgreich einzudämmen. Konkret führt eine solche mit externem Personal besetzte Revisionsfunktion dazu, dass die negativen Auswirkungen von Managern mit dunkler Triaden-Persönlichkeit auf die Buchhaltungspraktiken von Unternehmen um etwa 60% verringert werden. Folglich bietet die Durchführung der Kontrollaufgabe durch Externe einen Schutz gegen solche Manipulationen. Dieses Ergebnis hat starke praktische Implikationen, da es Argumente für die Auslagerung solcher Kontrolltätigkeiten liefert, anstatt sie intern zu behalten. 

Working Paper

Ausgewählte Publikationen

Ausgewählte Publikationen (Link zu Google Scholar)

Koester, H.; Pelster, M. (2017): 'Financial penalties and bank performance', Journal of Banking and Finance 79, 57-73. (VHB-JOURQUAL 3: A)

Pelster, M.; Breitmayer, B.; Hasso, T. (2019): 'Are cryptocurrency traders pioneers or just risk-seekers? Evidence from brokerage accounts', Economics Letters 182, 98-100. (Media coverage: yahoo finance, coindesk.com, pressetext)

Pelster, M.; Hofmann, A. (2018): 'About the fear of reputational loss: Social trading and the disposition effect', Journal of Banking and Finance 94, 75-88. (VHB-JOURQUAL 3: A)

Pelster, M.; Schertler, A. (2019): 'Pricing and issuance dependencies in structured financial product portfolios', Journal of Futures Markets 39, 342-365.

Pelster, M.; Vilsmeier, J. (2018): 'The determinants of CDS spreads: evidence from the model space', Review of Derivatives Research 21, 63-118. (VHB-JOURQUAL 3: A)

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