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Die Dekanin der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften Prof. Dr. Caren Sureth-Sloane (Mitte) freute sich den Tag der Wirtschaftswissenschaften am 19. November 2016 in der Universität Paderborn eröffnen zu dürfen. Bildinformationen anzeigen
Als besondere Auszeichnung für seine Verdienste um die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und die Universität Paderborn wurde Gründungsrektor Prof. Dr. Friedrich Buttler, der von 1973 bis 1987 in den Paderborner Wirtschaftswissenschaften eine Professur für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Finanzwissenschaft, innehatte, die Ehrenmitgliedschaft des Paderborner Hochschulkreises, der Ehemaligenvereinigung der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, verliehen. In einer Laudatio zeichnete Prof. Dr. Dr. h. c. Dr. h. c. Wolfgang Weber zentrale Stationen des Gründungsrektors (1976–1983) und Rektors (1983–1987) der Paderborner Hochschule nach. Bildinformationen anzeigen
Vizepräsidentin Simone Probst beglückwünschte die Absolventinnen und Absolventen in ihrem Grußwort im Namen des Präsidiums und auch persönlich bei der Urkundenüberreichung. Bildinformationen anzeigen
An seiner Expertise, Ideen und Kreativität im Unternehmen zu fördern, ließ Dr. Frederik Pferdt, Chief Innovation Evangelist bei Google, in seiner Alumnus-Festrede die Absolventinnen und Absolventen teilhaben Bildinformationen anzeigen
Foto (Universität Paderborn): Als ehrenamtlicher Moderator führte der 2. PHK-Vorsitzende Dr. Kostja Siefen erstmals durch die Veranstaltung. Bildinformationen anzeigen
Etwa 220 Absolventen waren mit ihren Familien und Freunden erschienen, sodass insgesamt mehr als 700 Personen die Veranstaltung direkt im Audimax der Universität oder per Live-Übertragung im Foyer verfolgten. Bildinformationen anzeigen
Musikalisch begleitet wurde die Festveranstaltung von der Band "GOODBEATS acoustic duo". Bildinformationen anzeigen
Die Urkunden wurden von der Dekanin Prof. Dr. Caren Sureth-Sloane und Vizepräsidentin Simone Probst überreicht. Eine besondere Auszeichnung erhielten die Promovierten und die Studiengangsbesten des vergangenen Jahres. Bildinformationen anzeigen
Kevin Meckenstock engagierte sich als Student im Fachschaftsrat, dessen Vorsitzender er war, und hielt nun als Absolvent die studentische Festrede. Bildinformationen anzeigen
Im Anschluss an die Veranstaltung folgte die traditionelle Talaraktion. Bildinformationen anzeigen

Die Dekanin der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften Prof. Dr. Caren Sureth-Sloane (Mitte) freute sich den Tag der Wirtschaftswissenschaften am 19. November 2016 in der Universität Paderborn eröffnen zu dürfen.

Als besondere Auszeichnung für seine Verdienste um die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und die Universität Paderborn wurde Gründungsrektor Prof. Dr. Friedrich Buttler, der von 1973 bis 1987 in den Paderborner Wirtschaftswissenschaften eine Professur für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Finanzwissenschaft, innehatte, die Ehrenmitgliedschaft des Paderborner Hochschulkreises, der Ehemaligenvereinigung der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, verliehen. In einer Laudatio zeichnete Prof. Dr. Dr. h. c. Dr. h. c. Wolfgang Weber zentrale Stationen des Gründungsrektors (1976–1983) und Rektors (1983–1987) der Paderborner Hochschule nach.

Vizepräsidentin Simone Probst beglückwünschte die Absolventinnen und Absolventen in ihrem Grußwort im Namen des Präsidiums und auch persönlich bei der Urkundenüberreichung.

An seiner Expertise, Ideen und Kreativität im Unternehmen zu fördern, ließ Dr. Frederik Pferdt, Chief Innovation Evangelist bei Google, in seiner Alumnus-Festrede die Absolventinnen und Absolventen teilhaben

Foto (Universität Paderborn): Als ehrenamtlicher Moderator führte der 2. PHK-Vorsitzende Dr. Kostja Siefen erstmals durch die Veranstaltung.

Etwa 220 Absolventen waren mit ihren Familien und Freunden erschienen, sodass insgesamt mehr als 700 Personen die Veranstaltung direkt im Audimax der Universität oder per Live-Übertragung im Foyer verfolgten.

Musikalisch begleitet wurde die Festveranstaltung von der Band "GOODBEATS acoustic duo".

Die Urkunden wurden von der Dekanin Prof. Dr. Caren Sureth-Sloane und Vizepräsidentin Simone Probst überreicht. Eine besondere Auszeichnung erhielten die Promovierten und die Studiengangsbesten des vergangenen Jahres.

Kevin Meckenstock engagierte sich als Student im Fachschaftsrat, dessen Vorsitzender er war, und hielt nun als Absolvent die studentische Festrede.

Im Anschluss an die Veranstaltung folgte die traditionelle Talaraktion.

Paderborner Perspektiven

Viele drängende Probleme in Wirtschaft und Gesellschaft greifen die Fakultätsmitglieder in ihren veröffentlichten Beiträgen auf. Die Rubrik "Paderborner Perspektiven" unseres Newsletters schaut auf Erkenntnisse der Forschenden der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften.

Online Reputation, strategisches Verhalten und kooperative Spieltheorie

Das Bewerten von Transaktionen im Internet ist mittlerweile nicht mehr aus dem Online-Shopping wegzudenken. Durch Bewertungssysteme sollen Neukunden die Möglichkeit erhalten, die Qualität eines Produktes besser einzuschätzen. Für sogenannte Erfahrungsgüter, d. h. Güter, deren Qualität erst nach dem Gebrauch feststellbar ist, sollen negative Bewertungen den Kunden vor schlechter Qualität „warnen“. So weit, so gut. Aber bieten umgekehrt nicht auch genügend viele positive Bewertungen gerade Anreize für den Anbieter, sich „auf den Lorbeeren auszuruhen“ und seinen guten Ruf auszunutzen? Dieser Frage gingen Sonja Brangewitz, Behnud Djawadi, René Fahr und Claus-Jochen Haake nach. In einem computergestützten Labor​experiment, welches im BaER Lab der Fakultät stattfand, wurden Studierende in der Rolle eines Online-Anbieters nach ihren Qualitätsentscheidungen befragt. Hierbei stellte sich heraus, dass ein signifikanter Anteil der Teilnehmenden eine sogenannte​ „Melkstrategie“ verfolgte. Waren genügend viele positive Bewertungen eingegangen und der Verkaufspreis dadurch erhöht, wurde die Qualität gesenkt, um kurzfristige Profite zu steigern. Optimal, so die theoretische Lösung, wäre das Beibehalten eines hohen Qualitätsniveaus gewesen. Aus den Rechnungen kann man auch ersehen, dass die Akkuratheit der Bewertungen eine Rolle spielt in der Abwehr eines solch schädlichen Verhaltens.

Der Artikel ist ein Beitrag zur Agenda des Sonderforschungsbereichs 901 „On-The-Fly Computing“. Dieser Forschungsverbund mit 18 Professoren und rund 50 Mitarbeitern aus dem Institut für Informatik und der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften wird seit 2011 von der DFG gefördert und ist 2015 erfolgreich begutachtet worden. Die Mitglieder des SFB erforschen sowohl die technische als auch die ökonomische Seite eines Marktes für individualisierte, komplexe IT Dienstleistungen, die möglichst automatisiert aus kleineren Komponenten konfiguriert werden. Die zentrale mikroökonomische Fragestellung ist dabei, wie die Interaktion der Marktteilnehmer möglichst gut organisiert wird, so dass etwa Ineffizienzen aus Informationsasymmetrien minimiert werden, oder qualitativ minderwertige Komponenten erkannt werden. Methodisch kommt hier das Instrumentarium u. a. der Spieltheorie zum Einsatz.

Am Problem der Qualitätssicherung wird schnell die Komplexität deutlich. Lässt sich, wie oben beschrieben, die Qualität eines einzelnen Produktes oder einer Dienstleistung noch vergleichsweise einfach beurteilen, so wird dies ungleich komplexer, wenn Produktbündel gehandelt werden. Beispielsweise ist es für Kunden oft nicht erkennbar, welche Komponente eines schlecht arbeitenden IT Systems nicht funktioniert. In einem aktuellen Projekt mit Matthias Feldotto und Alexander Skopalik (Informatik) untersuchen Nadja Maraun und Claus-Jochen Haake (Mikroökonomie) eine fundierte Methode zur Bewertung einzelner IT Dienste, die z. T. nur in Kombination mit anderen Diensten bewertet werden können. Lösungen aus der kooperativen Spieltheorie sind dabei integraler Bestandteil. Hier liegt auch eine der vielen Schnittstellen zwischen den Disziplinen, die im Rahmen des Sonderforschungsbereichs ausgenutzt werden sollen.

Artikel zum Thema

Brangewitz, Sonja; Djawadi, Behnud; Fahr, René; Haake, Claus-Jochen: „Maintaining vs. Milking Good Reputation when Customer Feedback Is Inaccurate“, Center for International Economics (CIE) Working Paper No. 85, Paderborn University, http://econpapers.repec.org/paper/pdnciepap/.

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Kreditrisikoverbriefungen bei Banken

Das strukturierte Finanzinstrument der Kreditrisikoverbriefung („credit securitization“) ist mit dem Ausbruch der globalen Finanzmarktkrise 2007/08 deutlich in den Fokus der breiteren Öffentlichkeit gerückt. Die seitdem mitunter hitzig geführte Debatte zwischen Regulierern, Politikern und Banken um das Für und Wider des Instruments der Verbriefung hat bis heute kein Ende gefunden. Während auf der einen Seite die klare Meinung vertreten wird, dass insbesondere die Verbriefungstätigkeit von U.S.-amerikanischen Banken als ein wesentlicher Treiber der Krise galt, betont die andere Seite regelmäßig die Vorteile dieses Finanzinstruments für die Finanzmarktstabilität.

Kreditrisikoverbriefungen lassen sich in echte Kreditverbriefungen („True Sale-Verbriefungen“) und synthetische Verbriefungen unterscheiden. Im Rahmen der echten Kreditverbriefung verkauft die Bank als Originator ausgewählte Buchkredite an eine allein für den Zweck der Verbriefung gegründete Gesellschaft („Special Purpose Vehicle“, SPV). Im Anschluss begibt diese Zweckgesellschaft Wertpapiere am Kapitalmarkt, die mit den Zahlungsansprüchen aus den Krediten besichert sind („Asset-Backed Securities“, ABS). Somit werden durch diese Art der Verbriefung ursprünglich illiquide, d. h. nicht handelbare, Buchkredite in handelbare Wertpapiere eingekleidet und potenziellen Kapitalmarktinvestoren als Investitionsobjekt angeboten. Im Zuge der synthetischen Kreditverbriefung hingegen werden nur die Kreditrisiken vom Originator an die Zweckgesellschaft transferiert, während der ursprüngliche Kredit in den Büchern der Bank verbleibt. Die Abkopplung des Kreditrisikos von dem unterliegenden Kredit geschieht regelmäßig mit Hilfe von sog. Kreditderivaten, oftmals durch den Einsatz von „Credit Default Swaps“ (CDS).

Aus Sicht der Banken bietet das Finanzinstrument der Verbriefung zwei wesentliche Vorteile. Zum einen ermöglicht die Verbriefung eine Reduktion der gesamten (konzentrierten) Kreditrisikoposition der Bank, wenn die Bank gezielt Kreditrisiken an Dritte transferiert und somit eine effizientere Diversifikation ihres Kreditportfolios erreicht. Zum anderen stellt die Verbriefung neben der klassischen Eigen- und Fremdkapitalfinanzierung eine alternative Finanzierungsquelle dar. So wird einerseits ein Teil des für Kreditrisiken zu hinterlegenden haftenden Eigenkapitals frei und andererseits werden durch den Verkauf der Kredite an die Zweckgesellschaft liquide Mittel in die Kasse der Bank gespült.

Auf den ersten Blick scheint eine Kreditrisikoverbriefung also ausschließlich positiv zu wirken. Mit Hilfe eines Datensatzes, der ca. 600 Verbriefungstransaktionen von 54 europäischen Banken zwischen 1997 und 2007 umfasst, zeigen André Uhde und Ko-Autoren in ihren empirischen Forschungsbeiträgen jedoch, dass sich das systematische Risiko der verbriefenden Banken und das systemische Risiko des gesamten europäischen Bankenmarkts im Zuge von Verbriefungen für den o. g. Zeitraum erhöht hat. Zudem weisen sie für die verbriefenden europäischen Banken negative abnormale Aktienkursrenditen nach, also eine negative Abweichung der tatsächlichen Aktienkursrendite von der erwarteten Rendite, die mit Hilfe des „Capital Asset Pricing Model“ (CAPM) bestimmt wird.

Aus theoretischer Sicht lassen sich die empirisch nachgewiesenen negativen Effekte von Verbriefungen auf die Banken- und Finanzmarktstabilität zunächst dadurch begründen, dass die Bank zwar frische Liquidität durch den Verkauf von Krediten an die Zweckgesellschaft und durch frei gewordenes haftendes Eigenkapital erhält, die Wirkung auf die Stabilität jedoch im Wesentlichen davon abhängt, wie die Bank diese neu gewonnene Liquidität verwendet. Setzt sie die Liquidität im Rahmen einer Kapitalrestrukturierung zur Ablösung von Fremdkapital ein, sollte der Effekt positiv ausfallen. Verwendet die Bank jedoch das Kapital, um neue und risikoreichere Kredite zu vergeben, würde dies negativ auf ihre Finanzstabilität wirken. Darüber hinaus wird die Bank durch die gültigen Bankenregulierungsvorschiften (Basel II/III) dazu angehalten, einen sog. Selbstbehalt zu bilden. Sie darf demnach nicht die gesamten Kreditrisiken verbriefen, sondern muss einen Teil des Risikos in ihren Büchern zurückhalten und für dieses Restrisiko weiterhin haften. In der Vergangenheit umfasste dieser Selbstbehalt jedoch regelmäßig die risikoreichsten Kredite („first loss piece“), sodass sich das Gesamtkreditrisiko der Bank auch nach einer Verbriefung nicht ausreichend genug verringert hat.

Zurzeit arbeiten Caren Sureth-Sloane und André Uhde an einem Forschungsbeitrag, der untersucht, ob die effektive Besteuerung einer Bank deren Verbriefungstätigkeit fördert. Da die meisten Banken der Körperschaftsteuer unterliegen, während die Zweckgesellschaften oftmals steuerbefreit sind, könnte diese Asymmetrie der Besteuerung den Banken unter bestimmten Umständen einen Anreiz liefern, verstärkt zu verbriefen.

Autor: Prof. Dr. André Uhde

Artikel zum Thema

  • C. Farruggio & A. Uhde (2015): Determinants of loan securitization in European banking, in: Journal of Banking and Finance, Vol. 56 (7), S. 12-27.
  • T. C. Michalak & A. Uhde (2012): Credit risk securitization and bank soundness: Evidence from the microlevel for Europe, in: Quarterly Review of Economics and Finance, Vol. 52 (3), S. 272-285.
  • C. Farruggio, T. C. Michalak & A. Uhde (2012): Wealth effects of credit risk securitization in European Banking, in: Journal of Business Finance and Accounting, Vol. 39 (1 & 2), S. 193-228.
  • A. Uhde & T. C. Michalak (2010): Securitization and systematic risk in European banking: Empirical evidence, in: Journal of Banking and Finance, Vol. 34 (12), S. 3061-3077.

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NetEnquiry – Berufsbildung für den Bankenbereich – Online per Browser und mobil per App

Entwicklung eines innovativen Lerntools für die betriebliche Bildung

Immer wieder stehen Unternehmen vor der Situation, dass betriebliche Bildung mit den Anforderungen der Gesellschaft und dortigen Veränderungen und Wandlungen Schritt halten muss. Lernen mit neuen Medien bekommt einen zunehmend höheren Stellenwert. Mobile Endgeräte haben sich in unserer Gesellschaft etabliert und beanspruchen inzwischen einen festen Platz. Sie bieten unterschiedlichste Potenziale, die durch die anwenderfreundliche Kombination von Hardware und Software nutzbar gemacht werden. Dabei werden unterschiedlichste Bedarfe bedient, von der Kommunikation über die Dokumentation bis hin zu Konsum und Lernen. Die Dynamik in der Leistungsfähigkeit und in den Anwendungsmöglichkeiten zeigt, dass es eine Vielzahl an Entwicklungsfeldern gibt, die bis dato noch nicht erschlossen sind. Unternehmen haben die Potenziale von eLearning und mobilen Endgeräten erkannt. Zudem haben Betriebe auch immer wieder das Problem, dass Mitarbeiter Prozesse in ihrer Gesamtheit kennenlernen müssen und dabei verschiedene Personen mit unterschiedlichen Entscheidungsbefugnissen sowie unterschiedlichen prozessbezogenen Aufgaben und Kompetenzen in solchen Prozessen eingebunden sind.

‚NetEnquiry‘ ist ein Forschungsprojekt, das die „Entwicklung, Erprobung und Evaluation neuartiger mobiler Lernangebote in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung“ in den Mittelpunkt stellt. Mit NetEnquiry wurde an der Universität Paderborn ein innovatives Lernarrangement geschaffen, das in einer Webversion als auch in einer mobilen APP Variante zur Verfügung steht und für den Bankenbereich in Zusammenarbeit mit Volksbanken, Sparkassen und der Deutschen Bank sowie Ingenious Knowledge und Apple als Technikpartner sowie Berufskollegs als Transferpartner entwickelt wurde. Dabei wurden inhaltlich Lernszenarien zum Bereich Kreditgeschäft, zum Wertpapiergeschäft mit Lombardierung und zur Wertpapierberatung umgesetzt.

Die lerntheoretische Basis bilden das aktionsbasierte Lernen, das situierte Lernen, problemorientiertes und prozessorientiertes Lernen. Hierbei wurde ein innovativer Design-based-Research Ansatz verfolgt, in dem Prototypengestaltung, Evaluation und Redesign sowie die Erprobung und Transferüberlegungen auf andere Bereiche (wie etwa die schulische Berufsbildung) umgesetzt wurden. Der technische Rahmen von NetEnquiry, in Form der web-basierten und app-basierten Umsetzung, ist mit didaktisch sowie thematisch unterschiedlich gestalteten Szenarien ausgestattet. Dies bedeutet hinsichtlich der thematisch-inhaltlichen Gestaltung, dass einerseits unterschiedliche Inhalte, Prozesse, Funktionen, Aufgaben etc. in einem Net­Enquiry-Szenario hinterlegt sein können und andererseits das didaktische Setting, wie zum Beispiel die Blended-Learning Konzeption im Sinne der Aufteilung und Gewichtung von Online-Präsenzphasen, aber auch das Rollenkonzept der Lernerrollen unterschiedlich sein kann. Zudem bietet NetEnquiry einen Arbeitsplatz, an dem alle wesentlichen Funktionen und Tools zur Verfügung stehen, wie ein voll funktionsfähiges E-Mail-System, eine Telefonsimulation, ein Kundeninformationssystem, ein Ablagesystem, ein Berichtswesen, Notizfunktionen, Zeichen- und Taschenrechnerfunktion, Quick-Notes-Kommunikation sowie szenariospezifische Tools wie etwa Kreditrechner usw. In der APP sind zudem Funktionalitäten umgesetzt, die beim Lernen am Arbeitsplatz direkt genutzt werden können, wie Fotodokumentation, ein Bewertungstool für Kundengesprächssimulationen usw.

Im NetEnquiry lernen die Teilnehmer in Teams im Rahmen eines kompetitiven Ansatzes, in dem sie gegen andere Teams antreten welche den gleichen Arbeitsprozess zu bewältigen haben. Hier können sie auch verschiedene Rollen übernehmen und somit unterschiedliche Perspektiven und Entscheidungsgrundlagen kennenlernen. Dadurch kann auch ein besseres Verständnis des operativen Geschäfts für die Management- und Entscheidungsebenen und umgekehrt gefördert werden.

In NetEnquiry galt es dabei folgende Aspekte systematisch miteinander in Einklang zu bringen:

  •  Mobiles Lernen: Verbindung der Möglichkeiten des mobilen Lernens mit e-Learning Angeboten.
  •  Simulierte Praxisanwendung: Entwicklung und Erprobung von NetEnquiry im Bereich der betrieblichen Aus- und Weiterbildung.
  •  Realistische Prozessorientierung: Abbildung authentischer Prozesse und Integration authentischer bzw. auch realer Materialien.
  • Communities und Multiperspektivität: Vorhandensein und Einnahme unterschiedlicher Rollen von Lernenden in einem Team.
  • Selbstgesteuertes, kollaboratives Lernen: Eigenständiges Lernen, Handhabung von Problemen und das Entwickeln von Lösungsansätzen als Einzellerner sowie das Zusammenführen und Entwickeln eines gemeinsamen Ergebnisses in einem Team, sprich in Kollaboration.
  • Authentizität und Situiertheit: Situationsabhängiges und problemorientiertes Lernen in realitätsnahen, authentischen Situationen.
  •  Effizienz durch lerntheoretische Verknüpfung: Einsatz und Einbindung der technischen Möglichkeiten und Lernmedien in NetEnquiry.
  •  Usability: Benutzerfreundliche Gestaltung von NetEnquiry für einen einfachen Zugang zu Lernmöglichkeiten und der Handhabung des NetEnquiry-Tools.

Dank der positiven Rückmeldungen und Evaluationsergebnisse in Betrieben und Schulen ist eine Übertragung auf andere Branchen möglich. Das NetEnquiry-Tool bildet dabei alle Grundfunktionen ab, ist in solchen Fällen aber inhaltlich auf andere Szenarien auszurichten.

Autor: Prof. Dr. Marc Beutner

Buch zum Thema

Marc Beutner (2016): NetEnquiry. Innovative Ansätze zum Serious Mobile Learning für Aus- und Weiterbildung.

Köln 2016, im Druck.

Informationen im Internet:

http://netenquiry.eduproject.eu/

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„Was ist damit gemeint?“ Von ungefähren Vorstellungen zu konkreten Anforderungen an die Benutzerfreundlichkeit von Software

Wenn Kunden nach einer bestimmten Software suchen, sollte diese ihren persönlichen Vorstellungen entsprechen. Allerdings fällt es ihnen vielfach schwer, ihre Anforderungen genau zu spezifizieren. Darüber hinaus möchten sich Kunden gegebenenfalls auch nicht mit den Details, die ein Programmierer kennen muss, auseinandersetzen. Deshalb sollten sie ein intuitiv verständliches Beschreibungswerkzeug nutzen, das sie bereits erlernt haben: ihre Muttersprache. So können Kunden ihre Wunschvorstellungen von einer Software in ihrer Alltagssprache formulieren, die dann maschinell analysiert und interpretiert werden können, um nicht nur Mehrdeutigkeiten und Ungenauigkeiten aufzudecken, sondern diese auch automatisiert zu kompensieren oder zusätzliche Informationen bei den Kunden und Endanwendern nachzufragen.


Worte sind weniger genau, sodass sie sich dazu eignen, vage Ideen, die wir noch nicht vollständig durchdenken konnten, näherungsweise zu beschreiben. Deshalb halten Laien daran fest, erste ungefähre Vorstellungen mit Alltagssprache auszudrücken. Da Software-Entwickler eine bis ins Detail ausgearbeitete, formale Modellierungssprache zur Spezifikation nutzen, ist die Hauptaufgabe die Extraktion von Anforderungen aus Servicebeschreibungen und deren Transformation in bekannte formale Modellierungssprachen. Funktionale und nichtfunktionale Anforderungen kommen direkt vom Kunden als Fließtext (Sätze oder Stichpunkte) und müssen von irrelevanten Informationen abgegrenzt werden. Dabei werden semantisch-syntaktische Muster genutzt, um zwischen den Anforderungen einzelne Konzepte und Relationen zu erkennen.


Der Nachteil von verbalen Anforderungsbeschreibungen ist jedoch, dass diese oftmals komplex sind. Dies kann zu Missverständnissen zwischen Kunden und Entwicklern führen, sodass Fehlinterpretationen von Anforderungen einer der Hauptgründe sind, warum Software nicht die Kundenanforderungen erfüllt. Auch mangelnde Präzision und Formalität von natürlichsprachlichen Beschreibungen erschweren ihre semantische Analyse und Extraktion. Ausgehend von Kunden, die nach Services suchen, die ihren vagen Anforderungen entsprechen, wird die Arbeitsgruppe in den nächsten Jahren Methoden (weiter)entwickeln, um den verlustbehafteten Transfer von natürlicher Sprache in formale Repräsentationen und das damit verbundene Problem der Unterspezifikation von Software-Anforderungen zu lösen. Deshalb bedarf es intelligenter Strategien, die Kunden bei der Anforderungsformulierung nicht einschränken, sondern fehlende Angaben sinnvoll kompensieren.


Artikel zum Thema
Michaela Geierhos, Sabine Schulze & Frederik S. Bäumer (2015): What did you mean? Facing the challenges of user-generated software requirements. Proceedings of the 7th International Conference on Agents and Artificial Intelligence (ICAART), Special Session on Partiality, Underspecification, and Natural Language Processing (PUaNLP 2015), © SCITEPRESS – Science and Technology Publications (Lisbon, Portugal), S. 277-283.
ISBN 978-989-758-073-4. doi:10.5220/0005346002770283

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Industrie 4.0 bringt anspruchsvollere Jobs

Industrie 4.0 ist in aller Munde. Gemeint ist eine neue Runde der Digitalisierung, die unsere Produktionsprozesse und unsere Art zu arbeiten verändern wird. Den Kern von Industrie 4.0 bildet die Vernetzung von Maschinen untereinander sowie von Maschinen und Produkten, eine Vernetzung, die eine Vielzahl von Daten („Big Data“) hervorruft, die wiederum zu einer intelligenten, flexiblen Prozessteuerung genutzt werden können. Im Einzelnen äußert sich Industrie 4.0 vor allem in neuen Robotern, extrem variabler und dezentraler Produktion („Smart Factory“) und gänzlich neuen Geschäftsmodellen. Die Folgen für die künftige Arbeit werden gerade erst ausgelotet. Simon Eisele und Martin Schneider beschäftigen sich damit, wie die Digitalisierung das Anforderungs- und Tätigkeitsprofil von Arbeitsplätzen verändert. Da Industrie 4.0 erst Zukunftsmusik ist, nutzen sie Informationen aus Arbeitnehmer-Interviews (in Großbritannien) zwischen 1995 und 2010. Die Informationen zeigen minutiös für eine Vielzahl von Berufen in allen Branchen auf, welche grundlegenden Tätigkeiten – z. B. Rechnen, kurze Texte schreiben, Anweisungen geben – zu einem bestimmten Arbeitsplatz gehören. Der Befund ist klar: Arbeitsplätze, in denen Computer besonders stark eingesetzt werden, sind anspruchsvoller und weniger monoton. Wichtiger werden Planung, Problemlösung, Anweisungen geben und mit Kunden kommunizieren. Weniger wichtig wird manuelle Arbeit.


Die Arbeitnehmer mit computerisierten Arbeitsplätzen stufen ihre Tätigkeiten als eher abwechslungsreich ein. Frey und Osborne haben in einer viel beachteten Studie aus dem Jahr 2013 argumentiert, dass Industrie 4.0 eine Vielzahl von Arbeitsplätzen kosten wird. Die Studie von Eisele und Schneider zeigt, dass die Arbeitsplätze, die bleiben, interessant und facettenreich sind.


Artikel zum Thema
Simon Eisele & Martin Schneider (2016): What do unions do to job tasks? Computer use, union density, and tayloristic jobs in Britain. Unveröffentlichtes Manuskript, vorgetragen auf dem 19th Colloquium on Personnel Economics, Aachen, März 2016.

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Tschüss, Pflege-TÜV? Aktuelle politische Forderungen sind ökonomisch falsch

Der sogenannte Pflege-TÜV wird politisch scharf kritisiert. Seit 2009 werden Pflegeheime nach einem einheitlichen Fragenkatalog bewertet. Dieser sogenannte Pflege-TÜV resultiert in Noten für die einzelnen Heime (siehe pflegenoten.de). Die Noten sind transparent, sollen von Patienten und potenziellen Nachfragern in ihrer Auswahlentscheidung berücksichtigt werden und letztlich dazu führen, dass die Pflegeheime sich verbessern oder andernfalls vom Markt verschwinden. Nun fordern viele Politiker die Ablösung des Pflege-TÜVs. Unter den Gründen, die hierfür genannt werden, sind die geringe Aussagekraft mancher Fragen und die beinahe durchgängig guten bis sehr guten Noten selbst für mittelmäßige Heime.


Aus ökonomischer Sicht ist die Kritik überraschend. Schon nach zwei Prüfrunden und kaum sechs Jahren Erfahrung soll schon Schluss sein mit dem TÜV. Offenbar haben sich die Politiker Wunderdinge erhofft. Die müssen jedoch ausbleiben in einem so intransparenten Markt: Dienstleistungen, die zum Teil unter Ausschluss der Öffentlichkeit an Schutzbedürftigen vollbracht werden, sind nun einmal in ihrer Qualität schwer zu messen.


Hendrik Schmitz, seit 2014 Professor für Statistik und Empirische Wirtschaftsforschung an der Fakultät, hat sich den Pflege-TÜV genauer angesehen. Er und zwei Koautoren zeigen in einer Studie für mehr als 3.000 Pflegeheime, dass die Noten für Pflegeheime durchaus etwas bewirkt haben. Die Noten, die besonders aussagekräftig sind für die Qualität der Pflege und vor allem deren Ergebnis, haben sich von der ersten zur zweiten Prüfrunde im Durchschnitt verbessert. Aussagekräftige Maße sind für das Ergebnis vor allem die Versorgung der Patienten mit Flüssigkeit und mit Nahrung; für die Qualität der Pflege sind zudem fünf weitere Maße, die Risikofaktoren für die Patienten betreffen, bedeutsam.


Die Studie deutet darauf hin, dass der Pflege-TÜV etwas bringt: Die unangekündigten Prüfungen bringen die Heimleitungen offenbar vielfach dazu, Verbesserungen anzugehen, damit die nächste Prüfrunde besser wird. Die Studie zeigt auch, dass weniger bei den Kriterien oft mehr ist: Auf nur sieben der insgesamt 64 Fragen beruhen die Ergebnisse der Studie. Und die Studie zeigt auch, dass durchweg gute oder sehr gute Noten prinzipiell kein Problem sein müssen: Wenn Heimleitungen reagieren, weil sie schlechter sind als andere Heime, führt auch eine Schulnote 2 zu den erwünschten Qualitätsverbesserungen.

Artikel zum Thema
Herr, Annika; Nguyen, Thu-Van; Schmitz, Hendrik (2015): Does quality disclosure improve quality? Responses to the introduction of nursing home report cards in Germany, DICE Discussion Paper, No. 176,
ISBN 978-3-86304-175-5


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